One by One Deutschland

Viele reden zum ersten Mal über ihre Familie

„One-by-One“ bringt die Kinder von Opfern und Tätern des Nationalsozialismus ins Gespräch

Julika Tillmanns in: Berliner Zeitung, 11.2.1999

Ich konnte einfach nicht mehr verdrängen“, sagt Gottfried Leich. (…) Eines Tages fiel ihm das Foto eines kleinen Jungen in SS-Uniform mit viel zu großen Stiefeln und einem riesigen Helm in die Hände. Wer mag das sein, dachte er bei sich. Es dauerte Jahre, bis er nicht mehr leugnete, daß er selbst auf dem Foto abgebildet war. „So groß war mein Wunsch zu verdrängen“, sagt er heute.

(…) Heute weiß sie: „Es ist durchaus typisch, daß NS-Opfer die Gewalt, die ihnen angetan wurde, an ihre Kinder weitergeben.“ Doch als sie ihre Geschichte bei One-by-One zum ersten Mal erzählte, „da war mir, als seien dicke Bleiketten von meinen Beinen weggesprengt“. (…)

Doch trotz aller Gemeinsamkeit Versöhnung ist nicht das Ziel des Dialogs. „Verzeihen können nur die Opfer“, sagt Regine Sarstädt entschieden. Alles andere wäre zynisch. Ziel ist es vielmehr, die Auswirkungen des nationalsozialistischen Erbes auf die eigene Biographie und die politische Kultur zu begreifen. Nur so werde die Erinnerung an Auschwitz wachgehalten, eine Wiederholung verhindert. (…)

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