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Bericht über eine Reise nach Israel

Reise vom 1. bis 13. Mai 2004, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung

Israel - dieses Land interessierte mich immer schon sehr. Aus welchen Gründen auch immer, ich war noch nie hin gefahren. Aber ich verfolgte sehr aufmerksam die Berichte in den Medien, in persönlichen Gesprächen kamen sehr schnell viele Emotionen hoch, Gedanken, die mir großes Unbehagen bereiteten. Ich fühlte, dass alles, was ich hier an unserem sicheren Berlin hörte, nur ein Teil der Wahrheit sein konnte und wollte mir endlich ein eigenes Bild vor Ort machen. Trotz Sicherheitsrisiken und eigener Angst entschloss ich mich zu der Reise der Bundeszentrale. Diese Fahrt war seit 3 Jahren die erste, die wieder veranstaltet wurde. Sie stand unter dem Thema: „Israel 2004 - Hoffen auf eine friedliche Zukunft.“ Gottfried Leich schloss sich der Reise an, als ich ihm davon erzählte und wir konnten uns immer sehr gut über die Erlebnisse austauschen.

Schon in Frankfurt gab man uns erst einmal Sicherheitshinweise: fahrt nicht mit öffentlichen Bussen, geht nicht auf Märkte, sitzt im Cafe nicht auf der Terrasse usw. Nach dem ersten Vortrag in Frankfurt starteten wir die Reise mit dem Hinweis: Ihr denkt, wenn ihr zurückkommt habt ihr die Lösung für den Frieden, aber so einfach ist es nicht. Ihr werdet verwirrter aus Israel zurückkommen als ihr hinfahrt, aber auf höherem Niveau.

Dies sollte sich bewahrheiten. Wir hörten sehr viele Vorträge von Israelis und Palästinensern, besichtigten die Sperrmauer, besetzte Orte wie Bethlehem, fuhren ins Jüdisch-Arabische Zentrum Givat Haviva, sprachen mit Herrn Ansbacher, geboren in Frankfurt und Gründer einer großen jüdischen Siedlung in Palästina.

Sehr bewegt waren wir alle vom Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Im Tal der Gemeinden an der Wand mit dem eingemeißelten Namen Berlin legten wir Blumen nieder. Ich fand auch den Namen meiner Heimatstadt Herne, in der es heute keine jüdische Gemeinde mehr gibt. In der Gedenkstätte für die ermordeten Kinder musste ich besonders an die ermordeten Kinder aus dem Kinderheim in der Fehrbelliner Straße denken.

Die Referenten zeigten alle immer wieder eine andere kleine Fassette des Landes aus Geschichte, Wirtschaft, Politik. Mich interessierte besonders das Verhältnis zur Bundesrepublik, denn ich weiß, ohne die Verbrechen der Judenverfolgung und Vernichtung würde Israel in der heutigen Form nicht existieren.

Eine besondere Freude war es für mich, Gideon Behrendt, Regina Steinitz und Ruth Malin zu treffen, die ich durch meine Recherche über das Kinderheim kennen gelernt habe. Mit ihnen konnten wir auch die aktuellen Probleme, wie den Abzug aus dem Gazastreifen, der von dem größten Teil der Bevölkerung gewollt ist, diskutieren.

Ich bin sehr aufmerksam geworden für die unendlich komplizierte Situation in Israel, diesem so europäischen Land, dass aber doch auch im Nahen Osten liegt und Einwanderer aus der ganzen Welt integrieren musste und immer noch tut. Ich habe eine Ahnung davon bekommen, wie es ist, jeden Tag mit einer Bedrohung zu leben und gesehen, wie schwer es ist, die Situation des Nachbarn nicht ganz aus dem Auge zu verlieren.

Jetzt zu Hause verfolge ich aufmerksam alle Informationen über die Situation in Israel und weiß, dass es viel Hilfe von außen braucht und Solidarität von uns, damit es vielleicht irgendwann einmal ein friedliches Nebeneinander gibt. Ich kann nur empfehlen: fahrt trotz Bedenken und Unsicherheit hin! Ihr werdet sehr bereichert zurückkommen und vor allem keine einfachen Schuldzuweisungen treffen.

Autor: Inge Franken in: One by One News #3, Juli 2004

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