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Erinnerungsarbeit als Mahnung

„Ich möchte die Erinnerungsarbeit auch als Mahnung zu unser aller Verantwortung für die unantastbare Würde und das Lebensrecht jedes einzelnen Menschen verstanden wissen.“ Dieser Satz stammt aus einer Rede von Helmut Becker-Behn, Mitglied der Dialoggruppe 2001, anlässlich der Stolperstein-Legung im September 2003 für Fanny Menke, die am 13. Januar 1945 im Zwangsarbeiterlager Ammendorf bei Halle ums Leben kam und für den Gewerkschafter Emil Rentmeister, der von den Nazis erschlagen wurde.

Helmut Becker-Behn engagiert sich in Duisburg sehr stark für diese Arbeit. Es ist für ihn eine „quasiorganische Fortführung“ seiner Aktivitäten bei One by One. Er schreibt in einem Brief an die Redaktion: „Das Schöne an diesem Projekt ist m.E. die alltagsnahe Erinnerung an Leiden und Sterben der vielen namenlosen Opfer, denen man dadurch ihre Identität zurück – und erstmals einen Grabstein gibt.“ Die ersten Stolpersteine wurden in Duisburg im Februar 2003 verlegt. Heute sind es mehr als 50.

Helmut Becker-Behn hat mit eine Broschüre herausgegeben zu den Stolpersteinen in Duisburg, aus der im nächsten Jahr ein kleines Buch werden soll. Damit wird diese Projekt weiter in die Öffentlichkeit getragen. Er empfiehlt auch ein kleines Buch von Peter Schneider: „Und wenn wir nur eine Stunde gewinnen…“ Es ist ein Buch, das von Zivilcourage handelt, davon, dass es auch in der Zeit der Nazi-Herrschaft Menschen gab, für die es eine Alternative gab, die ihr Menschlichsein bewahrt haben und die sich, sicher in unterschiedlichem Maße, dem verbrecherischen System entgegengestellt haben.

Wenn das Projekt Stolperstein die Erinnerung an Verfolgte, Deportierte, Ermordete wachhält, soll aber auch an die Täter und ihre Verbrechen erinnert werden. So wird in der Duisburger Broschüre auch an einen Täter erinnert, der aus dieser Region stammt und der als Leiter des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes der SS verantwortlich war für das Programm „Vernichtung durch Arbeit“ . Dieser Mann, Oswald Pohl, entschied über alle Angelegenheiten der Zwangsarbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager. Er bestimmte das grausame Schicksal von Hunderttausenden. Oswald Pohl wurde 1947 vom III. US-Militärgerichtshof der direkten Teilnahme an Kriegsverbrechen und an Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig befunden und im Juni 1951 hingerichtet.

Die Biographie von Oswald Pohl wurde erforscht und in einer Ausstellung dokumentiert. Eine Sonderausstellung zu Oswald Pohl war im Rahmen der Ausstellung „Gestohlenen Jugend“ im Oberhausener Schloss zu sehen.

Autor: Redaktion, One by One News #3, Juli 2004

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