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Briefmarken erzählen… (6)

Vom schwierigen Umgang mit einem Thema

briefm-brd52.jpgIn beiden deutschen Staaten gab es einerseits bei der Emission von Postwertzeichen große Unterschiede beim Umgang mit dem Thema - Erbe des Nationalsozialismus -, andererseits aber auch merkwürdige Ähnlichkeiten.

1952 erschien in der Bundesrepublik eine Marke zur Rückgabe der Insel Helgoland durch Großbritannien.

briefm-brd53.jpgbriefm-brd55.jpg1953 wurde der deutschen Kriegsgefangenen gedacht und 1955 gedachte man des 10. Jahrestages der Vertreibung – der Vertreibung der Deutschen natürlich. Dass Vertreibung durch die Deutschen schon vorher betrieben wurde, spielte in diesem Zusammengang keine Rolle. Eine Marke mit dem gleichen Motiv, nur mit einer anderen Farbgebung erschien 10 Jahre später noch einmal.

briefm-brd56.jpg1956 erschien dann eine Briefmarke, die der Kriegsgräberfürsorge gewidmet war. Den Opfern in den Konzentrationslagern und den Menschen, die dem Naziregime Widerstand geleistet hatten, ist bis zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht worden.

briefm-brd79.jpg1979 wurde des 100. Geburtstages der Schriftstellerin Agnes Miegel gedacht. Von ihr heißt im Band 14 der Brockhaus Enzyklopädie, dass sie Tendenzen der Heimatkunst aufgriff und Blut-und-Boden-Romantik sowie Sympathien mit nationalsozialistischen Ideen erkennen ließ.

Aber auch die DDR tat sich mit dem Thema schwer. Sie editierte Marken zu diesem Thema, die eher propagandistisch die Politik des Staates demonstrieren sollten, als ein Gedenken an den die Zeit des Nationalsozialismus und an den Tag der Befreiung. Folgende Beispiele demonstrieren das recht anschaulich:

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Diese Marken sind zwar dem Jahrestag der Befreiung vom Faschismus gewidmet, nehmen doch aber nicht so recht Bezug auf das Thema.

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Diese Ausführungen sollen aber nicht zeigen, dass in beiden deutschen Staaten es nur „solche“ Markeneditionen gegeben hat.

So wurde auch vielen Menschen gedacht, die in dieser Zeit emigrieren mussten, gelitten haben, ermordet wurden oder Widerstand geleistet haben. Allerdings ist auch hier der Personenkreis jeweils recht einseitig ausgewählt – eben systemabhängig.

Autor: Berthold Schneiderheinze in: One by One News #6, November 2005

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